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Gesundheit

Die Gesundheit und der Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen ist in letzter Zeit immer wieder Thema in Politik und Medien. Und anscheinend gibt es diesbezüglich keinen Grund zur Freude. Während man früher automatisch davon ausging, dass Jungsein an sich ein Garant für Gesundheit und Fitness ist, ist man heute offenbar weniger optimistisch (oder naiv). Glaubt man jedenfalls JournalistInnen und PolitikerInnen, so sind Kinder und Jugendliche heute zu dick, zu aggressiv und zu faul. Sie leiden unter Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), sie saufen sich ins Koma, haben Essstörungen und Depressionen. Sie sind die Generation, die laut WHO vor ihren Eltern stirbt. Das klingt alarmierend. Aber ist das wirklich so?

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Ernährung

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Etwa 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen drei und 17 Jahren gelten heute als übergewichtig, sechs Prozent von ihnen als adipös (KIGGS-Studie 2003). Damit einher gehen nicht selten Krankheiten wie zum Beispiel Bluthochdruck, Herzerkrankungen, orthopädische Erkrankungen und Diabetes Typ II, aber auch soziale Beeinträchtigungen wie etwa Mobbing, Diskriminierung und Isolation. Als Ursachen für Übergewicht und Fettleibigkeit werden in erster Linie Fehlernährung und Bewegungsmangel genannt. Für fehlerhaftes Essverhalten gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zeitmangel, die Entfremdung von Lebensmitteln und deren Produktion, die zunehmende Industrialisierung von Nahrungsmitteln und Armut gehören mit Sicherheit dazu. Darüber hinaus müssen sicherlich auch erbliche Faktoren genannt werden.

Insgesamt sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass auch Statistiken und ihre Meßmethoden nicht unfehlbar sind. Sie bilden in den meisten Fällen nur kleine Teilaspekte, jedoch nie das "große Ganze" ab. So ist z.B. der BMI keinesfalls eine unumstrittene Maßeinheit. Zwar kann man mit dem BMI das Verhältnis von Körpergröße zu Körpergewicht abbilden, dieses lässt aber keine Rückschlüsse auf den Körperfettanteil zu. Gerade eben um diesen Körperfettanteil geht es aber, wenn man bestimmen möchte, ob eine Person übergewichtig oder fettleibig ist. Darüber hinaus gibt es bis heute keine wissenschaftlich haltbaren Daten, die eine verkürzte Lebensdauer oder ein erhöhtes Krankheitsrisiko bei übergewichtigen Personen beweisen würden . Die Schwellenwerte des BMI wurden absolut willkürlich festgelegt, basieren also nicht auf medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnissen. Darüber hinaus gibt ein BMI von von 18 oder 29 natürlich auch gar keine Auskunft über das subjektive Wohlbefinden der betroffenen Personen.

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Bewegung

Egal ob Fußball spielen, Reiten oder Schwimmen, Sport beziehungsweise körperliche Aktivität zählt bei Kindern und Jugendlichen gleich nach Musik hören zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen überhaupt. Beim näheren Hinsehen lassen sich allerdings einige Unterschiede erkennen. So zeigt sich zum Beispiel, dass Kinder und Jugendliche mit schwachem sozioökonomischen Background seltener körperlich aktiv sind als Kinder und Jugendliche mit starkem sozioökonomischen Background. Junge Menschen mit Migrationshintergrund sind seltener in Sportvereinen aktiv als solche ohne Migrationshintergrund. Homosexuelle, transsexuelle und intersexuelle Jugendliche sind seltener in Sportvereinen anzutreffen als heterosexuelle cisidente Jugendliche. Darüber hinaus nimmt das sportlich-aktive Bewegungsverhalten mit zunehmendem Alter stetig ab, insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen. Es scheint also eine ganze Reihe von Faktoren zu geben, die sich auf das Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen auswirken. Der Mangel an zur Verfügung stehenden Räumen, die Verknüpfung von Sport und Leistung, Diskriminierung sowie finanzieller Mangel gehören mit Sicherheit dazu.

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Selbst

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Jugendliche werden im Laufe ihres Heranwachsens mit einer ganzen Reihe von Anforderungen konfrontiert, die sie laut Entwicklungspsychologie zu bearbeiten und schlussendlich zu erfüllen haben. Die Anforderungen werden gemeinhin als Entwicklungsaufgaben bezeichnet. Derzeit gelten für Jugendliche und junge Erwachsene nach Hurrelmann folgende Entwicklungsaufgaben:

1. Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, um selbstverantwortlich schulischen und anschließend beruflichen Qualifikationen nachzukommen, mit dem Ziel, eine berufliche Erwerbsarbeit aufzunehmen und dadurch die eigene ökonomische und materielle Basis für die selbstständige Existenz als Erwachsener zu sichern.

2. Entwicklung der eigenen Geschlechterrolle und des sozialen Bindungsverhaltens zu Gleichaltrigen des eigenen und des anderen Geschlechts, Aufbau einer heterosexuellen Partnerbeziehung, die langfristig die Basis für die Erziehung eigener Kinder bilden kann.

3. Entwicklung eines eigenen Wert- und Normsystems und eines ethischen und politischen Bewusstseins, das mit dem eigenen Verhalten und Handeln in Übereinstimmung steht, so dass langfristig ein verantwortliches Handeln in diesem Bereich möglich wird.

4. Entwicklung eigener Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwarenmarktes und des kulturellen Freizeitmarktes mit dem Ziel, einen eigenen Lebensstil zu entwickeln und zu einem autonom gesteuerten und bedürfnisorientierten Umgang mit den entsprechenden Angeboten zu kommen.

Die Vielfalt dieser Aufgaben, der Versuch sie zu lösen, sich ihnen zu widersetzen oder nach möglichen Alternativen zu suchen kann im Einzelnen eine Überforderung darstellen und beim Misslingen zu mehr oder weniger schweren Krisen führen. Solche Krisen können sich auch in Form von psychischen beziehungsweise psychosomatischen Erkrankungen äußeren.

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